Perfektionismus. Was kannst Du tun?

Perfekten Menschen fehlt es an Fehlern - Ernst Ferstl

Was ist Perfektionismus? Perfektionismus ist eine Eigenschaft, bei der Du alles perfekt machen willst. Du gibst grundsätzlich immer 100 Prozent und es gibt keine halben Sachen. Man möchte alles ordentlich und korrekt durchführen, was grundsätzlich eine Stärke und Quelle für den Erfolg ist. Es gibt viele Berufe wie zum Beispiel Chirurgen und Chirurginnen, bei denen sich alle Perfektion wünschen. Die Schattenseite des Perfektionismus ist Stress und Überlastung. Man ist nicht dazu in der Lage, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden.

Was sind die Anzeichen für einen Perfektionismus?


Neigst Du dazu:

  • Dir starre Regeln oder Verhaltensabläufe aufzuzwingen

  • Alles zu kontrollieren

  • Andere zu verurteilen schlampig zu sein

  • Angst vor Fehler zu haben

  • Jeder Aufgabe noch einen Feinschliff zu geben

  • Hart zu Dir selbst zu sein

Wie entsteht ein Perfektionismus?

Meistens sind die Betroffenen in einem leistungsorientierten Haushalt mit hohen Standards gross geworden. Als Kinder verstehen wir die Kritik «Es ist nicht gut genug ausgemalt» als «Ich habe dich nicht lieb». Kinder wollen jedoch geliebt werden, damit sie zur Gesellschaft dazugehören und dadurch überleben. Eine schlechte Leistung stellt also ein grosses Risiko dar, ausgeschlossen zu werden und wirkt bedrohlich. Deswegen speichert unser Gehirn diese Erfahrung emotional ab, als «Wenn ich nicht genug leiste, dann werde ich nicht geliebt» oder «Ich musst perfekt sein, damit ich existieren darf». So wird ein unbewusster Glaubenssatz geboren, der manchmal unbemerkt, lebenslang wirkt. Es ist ein unbewusstes Programm das unser Verhalten noch im Erwachsenenalter steuert und sich als Perfektionismus bemerkbar macht.


Wie kannst Du den Perfektionismus überwinden?

Pareto-Prinzip

Nutze das Pareto-Prinzip. Es besagt, dass Du 80 Prozent des Endresultats bereits mit 20 Prozent Einsatz erreichst. Damit Du die restlichen 20 Prozent des Resultats bekommst, brauchst Du zusätzlich noch über 80 Prozent Aufwand. Nehmen wir einmal den Frühlingsputz als Beispiel. Voller Tatendrang legst Du mit dem Aufräumen und Putzen los, wobei Du in 20 Prozent der Zeit bereits eine sichtbar saubere Wohnung erzielst. Fixierst Du Dich jetzt noch auf jede Ecke und putzt jeden Schrank heraus, ohne den kleinsten Schmutzflecken zu hinerlassen, verbrauchst Du nochmals 80 Prozent Deiner Zeit, wobei die Wohnung bereits nach 20 Prozent der Zeit sauber schien. Für den Feinschliff von den allerletzten 20 Prozent der Wohnung, verschwendest Du nicht nur Energie, sondern auch kostbare Lebenszeit. Wenn Du das Gefühl hast, dass Dein Tag vor lauter Aufgaben nicht genug Stunden hat, stell Dir einmal alle Aufgaben vor Deinem geistigen Auge vor und frage Dich:

Was sind wirklich zentrale Aktivitäten, die viel bewegen?

Was sind Aufgaben, die nur noch Details optimieren?

Falls das Zweite zutrifft, geht die Welt ohne deren Erledigung wirklich unter?

Wenn Du wirklich ehrlich zu Dir bist, wirst Du bemerken, dass so einiges unerledigt bleiben kann ohne dass Du oder andere einen grossen Schaden nehmen.

Übung

Des Weiteren, kannst Du mittels Fragetechniken dem Ursprung Deines Drangs zur Perfektion nachgehen. Falls Du Lust hast nimm jetzt ein Blatt Papier und einen Stift hervor. Schreibe auf, was nach Deiner Ansicht ein perfekter Mensch ist. Wie ist der perfekte Mensch? Was für Eigenschaften hat er?

Danach stellst Du Dir folgende Fragen:

Sind das die Erwartungen, die Du an Dich selbst stellst?

Wer wird diesen Ansprüchen je gerecht?


Frage Dich warum Du glaubst perfekt sein zu müssen? Immer und immer wieder, bist Du denkst, ganz an der Wurzel angekommen zu sein.


Affirmation

Wähle einen Satz aus, der in Dir ein stark positives Gefühl auslöst. Ein Satz der Dir die Erlaubnis gibt, einmal nur 40 oder 60 Prozent zu geben. Wiederhole den Satz bei jeder Gelegenheit und vor allem in den Situationen, in denen Du merkst, dass Du Dich gestresst fühlst. Hier ein paar Beispiele:

«Ich darf auch Fehler machen»

«Ich konzentriere mich aufs Wesentliche»

«Ich bin okay, so wie ich bin»

«Ich erlaube mir einfach einmal sein»